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Fragen und Antworten über das ILLWelche Aufgabe hat das ILL?Das ILL ist eine Serviceeinrichtung. Seine Aufgabe ist es, die internationale Wissenschaftsgemeinde zu versorgen mit
Am ILL ist der größte Teil der Strahlzeit der Materialuntersuchung gewidmet. Die Forschung deckt ein breites Spektrum ab, das von technischen Anwendungen bis hin zur Biologie und Gesundheit reicht. Was ist ein Neutron?Neutronen sind neutrale Elementarteilchen, die in etwa dieselbe Masse haben wie ein Wasserstoffatom. Wegen ihrer fehlenden elektrischen Ladung dringen sie tief in Materie ein und dienen als zerstörungsfreie Sonde mit großer Genauigkeit. Was erzählen uns Neutronen?Neutronen wechselwirken mit den Atomkernen von Materie. Indem man beobachtet, wie sie abgelenkt werden und wie sich ihre Geschwindigkeit ändert, erhält man präzise Informationen über die Position und die Bewegung der Atomkerne. Weil sie außerdem wie kleine Kompassnadeln reagieren, geben sie einen einmaligen Einblick in den Magnetismus. (mehr)
Was bringen uns die Ergebnisse?Die heutige Gesellschaft wird von Technologien angetrieben. In vielen Wissenschaftsgebieten hängt der Fortschritt vom Verständnis der Materialien auf der molekularen Skala ab. Das gilt zum Beispiel für Bauteile in einem elektrischen Schaltkreis, Membranen und Kontakte einer Brennstoffzelle oder Batterie, oder für Proteine in einer biologischen Zelle. Neutronen geben oft entscheidende Informationen zum Verständnis dieser Prozesse. Kann man die Ergebnisse auf einem anderen Weg erzielen?Heute gibt es in der Wissenschaft zahlreiche analytische Methoden, um die Struktur und Dynamik von Materialien zu untersuchen. Jede hat ihre Vor- und Nachteile.
Ohne Neutronen wäre die Wissenschaft blind für bestimmte Phänomene, die sich im Mikrokosmos abspielen. Deswegen werden weltweit große Investitionen in Neutronenquellen getätigt. Am ILL beläuft sich die Gesamtinvestition auf fast 2 Milliarden Euro, das jährliche Budget beträgt ungefähr 80 Millionen Euro. Wer nutzt das ILL?Die Experimente, die am ILL durchgeführt werden, werden durch einen sehr selektiven Prozess ausgewählt, der internationale Gutachter mit einbezieht. Das ILL erhält jährlich fast 1500 Anfragen für Strahlzeit, kann aber nur die Hälfte davon annehmen. Woher kommen die Finanzmittel für das ILL?Das ILL ist eine multinationale Einrichtung. Der Rest wird von den 12 wissenschaftlichen Partnern (Spanien, Schweiz, Österreich, Italien, Tschechische Republik, Schweden, Ungarn, Belgien, Slowakei, Dänemark, Polen und Indien) aufgebracht. So profitiert rund 90 Prozent der europäischen Neutronenstreugemeinschaft vom ILL. Das ILL ist damit auch ein Aushängeschild für die erfolgreiche Zusammenarbeit in Europa, von der alle Mitglieder wechselseitig profitieren und mit der Wissenschaft und interkulturelle Freundschaft gefördert werden. Gibt es andere Neutronenquellen in der Welt?Bei der Wichtigkeit der Neutronen ist es kaum verwunderlich, dass in allen Ecken der Welt ein Netz von sehr stark konkurrierenden Neutronenquellen gibt. Außer dem ILL existiert in Frankreich eine weitere Quelle im Laboratoire Léon Brillouin (LLB) in Saclay. Wieso ist das ILL immer noch weltweit führend?Teil der Aufgabe des ILL ist es, die internationale Wissenschaftsgemeinde mit führenden Innovationen in allen Bereichen der Neutronenwissenschaft zu versorgen. Deshalb erhöht das ILL ständig seine Kapazitäten und Fähigkeiten, indem es die neuesten technologischen Entwicklungen in Neutronentransport und Neutronendetektion ausnutzt. Warum benötigt das ILL einen Kernreaktor?Alle Neutronen sind in Atomkernen gebunden. Einige dieser Kerne setzen Neutronen frei, wenn sie auseinanderbrechen: Das ist etwa bei dem Element Uran der Fall. In Kernkraftwerken wird dieser Prozess des Auseinanderbrechens oder der Kernspaltung benutzt, um Energie zu erzeugen. Gibt es andere Möglichkeiten, um Neutronen zu erzeugen?Neutronen können auch durch das Beschießen von schweren Atomkernen erzeugt werden, wie etwa bei Quecksilber unter Beschuss von Protonen. Dieser Prozess hat den Vorteil, dass er einen gepulsten Strahl zur Verfügung stellt. Bisher sind derartige Neutronenquellen, die auch Spallationsquellen genannt werden, weniger leistungsstark als das ILL, was den gesamten Neutronenfluss angeht. Das ILL wird nur von der zukünftigen europäischen Spallationsneutronenquelle (ESS) übertroffen werden, die bis zum Jahr 2025 fertig gestellt werden soll. Sie wird im schwedischen Lund gebaut und eineinhalb Milliarden Euro kosten. Bis zum Jahr 2025 wird das ILL unersetzlich bleiben, weil es den Neutronenwissenschaftlern alle experimentellen Möglichkeiten zu bietet, die sie benötigen. Wie trägt die Stadt Grenoble zum Erfolg des ILL bei?Die Stadt Grenoble, die zahlreiche wissenschaftliche Einrichtungen und Universitäten beherbergt, bietet ideale Bedingungen für fruchtbare, wissenschaftliche Kooperationen. Trotz seines starken internationalen Charakters profitiert das ILL sehr von der lokalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Das zeigt zum Beispiel die Webseite Giant partnership. Welchen Beitrag leistet das ILL zur Entwicklung der Forschung in Grenoble?Das ILL war der historische Keim des heutigen „European Photon and Neutron Science Campus“ (EPN), der außer dem ILL die europäische Synchrotonquelle ESRF beheimatet und eine Außenstation des europäischen Labors für Strukturbiologie (EMBL). Die Idee der gemeinsamen Nutzung der Infrastruktur von sich ergänzenden Wissenschaftsgebieten hat Vorbildcharakter und wurde weltweit oft nachgeahmt. Der Campus EPN zählt pro Jahr 6000 Besucher und richtet so das wissenschaftliche Leben in Grenoble stark international aus. |